Information zu COVID-19

Der Vorstand der DTG erarbeitet regelmäßig Informationen zur aktuellen Situation. Sie finden diese nachfolgend:

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 06.04.2020

Die COVID-19 Pandemie hält die Gesundheitssysteme in Europa und in Deutschland weiter in Atem, allerdings mit regional sehr unterschiedlichen Erkrankungs- und Todeszahlen sowie Ausbreitungsgeschwindigkeiten. In Deutschland wurden bis zum Wochenende über 90.000 Infektionen und über 1300 Todesfälle bestätigt. Dabei zeigt sich eine regional ungleiche Verteilung mit höheren Zahlen und Ressourcenbeanspruchungen im Süden und Westen der Bundesrepublik.

Weiterhin dominiert das Bestreben aller Träger des Gesundheitswesens, Intensivkapazitäten zu steigern und für den erwarteten Anstieg der beatmungspflichtigen COVID-19 Erkrankten Intensivkapazitäten vor- oder freizuhalten. Auf der anderen Seite ist die Bundesrepublik aufgrund dieser Planungen und zum jetzigen Zeitpunkt in der Lage, als Ausdruck der Menschlichkeit und Solidarität intensivmedizinische Kapazitäten als Nothilfe für unsere Nachbarländer zur Verfügung stellen zu können.

Die Strategie der Vorbereitung und Behandlung von COVID-19 Patienten befindet sich in einem Spannungsverhältnis zur weiterhin in Deutschland notwendigen medizinischen Versorgung von dringend Behandlungsbedürftigen Menschen und Notfällen. In dieser Gruppe befinden sich Herz- Kreislauferkrankungen, Blutungen, Tumorerkrankungen und Personen mit einer kritischen Einschränkung von Organfunktionen, die auf eine Organtransplantation als lebensrettende therapeutische Option warten.

Aus Sicht der DTG ist es daher entscheidend, dass bei der Bewältigung der Herausforderungen der COVID-19 Pandemie die weiterhin unvermindert notwendige kritische medizinische Versorgung der Bevölkerung in die Planungen einbezogen wird. Andernfalls besteht die Gefahr der zusätzlichen Erzeugung zeitlich versetzt auftretender relevanter Morbidität und Mortalität. Aufgrund der besonderen Krankheitsschwere bei Personen, die auf eine Organtransplantation warten, ist diese Gruppe in dieser Hinsicht besonders gefährdet. Die DTG ist hierzu im Rahmen einer gemeinsamen Expertengruppe in regelmäßigem Kontakt mit den Federführenden der verschiedenen Transplantationsrichtlinien-Arbeitsgruppen, den Spitzen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Bundesärztekammer (BÄK) und des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Abstimmung und Bewertung der aktuellen Lage. Die Diskussionspunkte, Ergebnisse und Empfehlungen aus dieser Expertengruppe werden regelmäßig im Rahmen dieses Newsletters publik gemacht.

1. Zum jetzigen Zeitpunkt laufen in Deutschland die Organspenden mit einer geringen Reduktion der Spendenzahlen weiter. Bislang ist in keinem deutschen Zentrum die Transplantationsaktivität eingestellt worden. Aus Italien und vielen anderen europäischen Ländern wird eine Fortsetzung der Organtransplantationen berichtet, während in manchen europäischen Ländern einzelne Transplantationsprogramme vorübergehend ruhen. In Anbetracht der kritischen Situation von Personen in den Wartelisten erscheint weiterhin der Benefit der transplantationsmedizinischen Versorgung dieser Patienten einschließlich der Durchführung von Organtransplantationen höher gegenüber den Risiken, die mit einer COVID-19 Infektion verbunden sind. Entscheidend für die Transplantationsaktivität in Deutschland ist dabei die Bewertung der regionalen Versorgungslage und die Ressourcenbeanspruchung in den Zentren.

2. Für transplantierte Personen ist bislang keine gegenüber anderen Personen generell signifikant erhöhte Gefährdung durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 belegt, wobei die Datenlage hierzu noch uneinheitlich ist und teilweise auf persönlichen, nicht offiziellen Berichten aus Italien und Frankreich beruht.

3. Zur Bündelung der wissenschaftlichen Auswertung von klinischen Informationen im Zusammenhang mit COVID-19 ist ein zentrales Erfassen der Daten entscheidend. Die DTG empfiehlt ausdrücklich die Partizipation im LEOSS Register (https://leoss.net). Mit Sorge um die notwendige zielführende Erfassung und Nutzung von COVID-19 Daten wird die Entwicklung multipler Registeransätze innerhalb Deutschlands und Europas betrachtet.

Wie bereits zuvor wiederholt berichtet, hat die DTG einen eigenen Transplantations-Fragebogen zu diesem allgemeinen, europaweiten COVID-19 Register erarbeitet, um möglichst alle Verläufe der Transplantationspatienten mit dem Ziel erfassen zu können, dass Ihnen daraus Hinweise und Hilfen zur Behandlung zur Verfügung gestellt werden können. Dieses Register wächst erfreulicherweise aktuell sehr schnell. Am 5. April waren 138 Kliniken und Praxen und 544 Personen für das Register engagiert sowie 39 positive Ethikvoten eingeholt worden.

Von insgesamt 421 bisherigen Patienteneinträgen wurden insgesamt 7 COVID-Verläufe nach Organtranstransplantation angelegt, von denen 4 bereits vollständig sind. Drei davon zeigen einen unkomplizierten, einer einen komplizierten Verlauf. Diese Zahl ist für weitreichendere Rückschlüsse und Empfehlungen noch zu klein. Bitte dokumentieren Sie daher alle Ihnen bekannten Transplantationsfälle prospektiv oder retrospektiv in diesem Register! In Frankreich und Italien sind bereits Fallsammlungen mit über einhundert Fällen bekannt, weitere aussagekräftige Analysen fehlen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch. Eine vergleichende Analyse der Transplantationspatienten mit unseren europäischen Nachbarn ist in hohem Maße erstrebenswert.

4. In vielen Regionen ist der Bezug von Trimethoprim/Sulfamethoxazol (z.B. Cotrimoxazol®) schwierig, was auf unsere Anfrage nach Auskunft des BMG/BFArM auf gestiegene Verordnungen verschiedener Disziplinen zurückzuführen sei. Unsere weitere Nachfrage beim Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) ergibt in deren Auswertung einen Anstieg der Verordnung zwischen 2017 und 2019 von 10%, was den Engpass nicht hinreichend erklärt. Wir sind mit verschiedenen Fachverbänden wegen einer Empfehlung im Gespräch, die breite Verschreibung dieses Medikaments etwas einzuschränken.

5. Ungarn hat im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 u.a. die Einreise von ausländischen Entnahmeteams und die Ausreise von eigenen medizinischen Teams untersagt, was den Organaustausch innerhalb von Eurotransplant (ET) betrifft (siehe Beschlüsse Ungarns in der Anlage). Der Austausch mit den Anderen ET-Mitgliedsländern erfolgt nach Aussage der DSO weiterhin regulär.

6. SARS-CoV-2-Virus positive Spender kommen weiterhin, wie auch aktuell bei der DSO veröffentlicht und bei den Spenden umgesetzt, nicht für Organspenden in Frage. Damit sind alle angebotenen Organe von SARS-CoV-2 negativen Patienten. SARS-CoV-2 Virus-DNA wurden in Stuhl und Blut und anderen Körperkompartimenten nachgewiesen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Bewertung der Relevanz dieser Befunde hinsichtlich des damit verbunden kurzfristigen und langfristigen Risikos bei einer Organtransplantation schwierig.

7. Zur klinischen Abschätzung und Stratifizierung haben sich in vielen Zentren Patientenfragebögen für alle ambulanten und stationären Patienten bewährt, die den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts entsprechen (RKI) (Beispiel Fragebogen in der Anlage). Diese können zur Abschätzung des Infektionsrisikos zusätzlich zur PCR-Testung auch bei Empfängern eingesetzt werden.

8. Antwort von BÄK und IQTIG: Nach Auskunft (03.04.2020) der Geschäftsstelle Transplantation der BÄK ist eine Vorlage zur Umsetzung einer vorübergehenden Aussetzung der Richtlinien gemäß unserer Anfrage vom 17.03.2020 bezüglich der Rezertifizierung von MELD und LAS beim BÄK-Vorstand zur Genehmigung. Laut Auskunft des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) ist ein Schreiben an die Zentren in Arbeit, dass die Aussetzung zeitlich definierter, notwendiger Nachuntersuchungsintervalle im Zuge der Qualitätssicherung in Folge der COVID19-Pandemie regelt.

Wir werden alle Beteiligten der Transplantationsmedizin in den deutschen Zentren weiter auf dem Laufenden über die aktuellen Entwicklungen und Abstimmungen mit BMG, BÄK, DSO und Fachgesellschaften halten, damit wir zusammen daran arbeiten können, die fortbestehende Herausforderung zu bewältigen.

 

Hier finden Sie die aktulle Information als pdf.-Datei:

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 06.04.2020
Patientenfragebogen COVID-19
Hungarian Preventive Measures

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 30.03.2020
Flag light system for shutdown of transplantation programs in Switzerland
Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und die Maßnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 27.03.2020

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 23.03.2020

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 16.03.2020