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Pressemitteilung der Deutschen Transplantationsgesellschaft vom 09. August 2012:

Pressemitteilung der Deutschen Transplantationsgesellschaft vom 09. August 2012:

Der Vorstand und alle Mitglieder der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) verfolgen mit großer Sorge und Betroffenheit die Aufklärung der Vorgänge um ärztliches Fehlverhalten bei Lebertransplantationen. Ärztliches Fehlverhalten in den ethisch sensiblen Bereichen der Organspende und Transplantation ist nicht vereinbar mit einer Mitgliedschaft in der DTG.

Ein ausgeprägter Spendermangel in Deutschland, verbunden mit den zunehmenden Möglichkeiten eine Organtransplantation als therapeutische Option einsetzen zu können, erzeugt die Herausforderung, medizinische und ethische Kriterien für eine gerechte Verteilung des knappen Guts der Spenderorgane festlegen zu müssen. Diese sog. Allokationsregeln (Verteilungsregeln) werden wissenschaftlich basiert immer wieder neu diskutiert und werden für jedes Organ spezifisch von Experten in der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK) erarbeitet. Dies gilt auch für alle Regeln zum beschleunigten Vermittlungsverfahren von Organen, das zur Anwendung kommt, wenn durch eine verlängerte Vermittlungszeit ein Verlust des Spenderorgans droht. Neben Transplantationsmedizinern sind maßgeblich Juristen, Vertreter von Bundes- und Länderbehörden, der Kostenträger, von Krankenhäusern sowie Patientenvertreter mit Sitz und Stimme vertreten. Diese Verteilungsregeln wendet Eurotransplant an, um postmortale Spenderorgane zu vermitteln. Hierfür übermitteln die Transplantationszentren die Daten ihrer Wartelistenpatienten an Eurotransplant. Die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) wiederum ist zuständig für die Entnahme der Organe beim Spender und deren Transport zum Empfänger.

Bei der Verteilung des Organs Leber wendet auch Deutschland seit Dezember 2006 den sog. MELD-Score an. Hierbei wird auf dem Boden von drei Laborparametern (Bilirubin, INR, Kreatinin) ein Dringlichkeits-Wert berechnet, der die Grundlage für die Zuteilung eines Organs an einen Wartelistenpatienten ist. In den Transplantationszentren werden von den Patienten regelmäßig (z. T. wöchentlich) Daten erhoben und an Eurotransplant weitergereicht. Seit Ende 2006 wird die Datenübermittlung sowohl mittels eines elektronischen Systems und zusätzlich mittels Vorlage eines Laborausdrucks oder durch eine schriftliche fachliche Stellungnahme an Eurotransplant vollzogen. Trotz dieser verschärften Sicherheitsregeln konnten offensichtlich bis vor kurzem Daten über einen längeren Zeitraum verfälscht werden, was den entsprechenden Patienten zu einer unberechtigten Bevorzugung auf der Warteliste verhalf. Um in Zukunft derartige Manipulationen zu vermeiden bzw. rasch zu entdecken, ist aus der Sicht der DTG eine Reihe von Maßnahmen notwendig, die so schnell wie möglich ergriffen werden sollten.

Die Prozesse der Anmeldung auf die Warteliste und der Aktualisierung der Patientendaten dürfen nicht einzelnen Personen überlassen werden. Um Missbrauch zu vermeiden, sollen mindestens zwei Personen für die Richtigkeit dieser Daten verantwortlich zeichnen.
Eine flächendeckende systematische Kontrolle und unangekündigte Stichproben (externe Audits) erscheinen notwendig zur frühzeitigen Entdeckung etwaiger Manipulationen.

Wer durch ärztliches Fehlverhalten das Vertrauen in die Transplantationsmedizin nachhaltig geschädigt hat, für den ist nicht nur kein Platz in der Deutschen Transplantationsgesellschaft, auch die Berufsausübung in diesem Bereich der Medizin sollte untersagt werden.

Vorstand: Prof. Dr. Wolf O. Bechstein (Präsident), Prof. Dr. Björn Nashan (President-Elect), Prof. Dr. Bernhard Banas, MBA (Generalsekretär), Prof. Dr. Hartmut Schmidt (Schriftführer), Dr. Helmut P. Arbogast (Schatzmeister)

Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V.

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Die Transplantationsmedizin bedarf eines ständigen Abgleichs mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, um diese für die Betreuung der Patienten, als auch für die Verteilung der Organe anzuwenden. So hat erst kürzlich die DTG weltweit erstmalig Standards für die Entnahme von Spenderorganen publiziert. Eine ärztliche Zusatzbezeichnung für Transplantationsmedizin wird aktuell vom Vorstand der DTG erarbeitet. Diese wiederum könnte eine Grundlage sein, um zukünftig Transplantationszentren akkreditieren zu können. Ein Qualitätsmanagement u. a. durch Einbindung des AQUA-Instituts wird fortlaufend überarbeitet und interdisziplinär diskutiert. Formale Abläufe werden standardisiert. So bemühen sich verschiedenste Arbeitsgruppen sowohl in der DTG, wie auch in angrenzenden Fachgesellschaften, immer wieder die Abläufe und Therapien in der Transplantationsmedizin zu prüfen und zu aktualisieren.

Speziell im Bereich der Lebertransplantation gibt es seit Einführung des MELD-Scores im Dezember 2006 regelmäßige fachspezifische Symposien unter Einbindung von internationalen Experten. Seit Jahren tritt die DTG für die Transparenz (nicht nur bei der Lebertransplantation) durch umfassende Veröffentlichung der Ergebnisse ein. Die DTG fordert die Einführung eines Transplantationsregisters, in dem sowohl die Daten des Organspenders als auch Daten der transplantierten Patienten erfasst werden können. Die im Rahmen der Novellierung des Transplantationsgesetzes am 01.08.2012 in Kraft getretene Forschungsklausel komplettiert unsere Bemühungen dieses zu implementieren. Problematisch ist bislang die Finanzierung eines solchen Registers. Die Einrichtung sog. Audits wird ebenfalls von der DTG seit Jahren angeregt. Auch hier ist die Problematik die fehlende Finanzierung.

Patientendaten, die an Eurotransplant weitergegeben werden, werden prinzipiell durch Internisten und Chirurgen gemeinschaftlich erhoben und durch Einbindung von Fachkräften innerhalb der Transplantationszentren an Eurotransplant weitergegeben. Hierdurch besteht bereits eine sog. Mehraugenprüfung, die aktuell in vielen Medien gefordert wird. Die DTG setzt sich deshalb dafür ein, die bereits jetzt formalisierten Abläufe in den Transplantationszentren zur Meldung von Wartelistenpatienten bei Eurotransplant noch weiter zu standardisieren, das Audit- Verfahren rasch zu implementieren und die damit einhergehenden Modalitäten wissenschaftlich und klinisch zu unterstützen. Neben Transplantationsmedizinern sollten auch Fachleute z.B. aus den Bereichen Ethik, Philosophie und Rechtswissenschaften als auch Patientenvertreter beteiligt werden. Hierzu erwartet die DTG eine Finanzierung durch die Kostenträger. Die im Rahmen der Novellierung des Transplantationsgesetzes am 01. August 2012 in Kraft getretenen Möglichkeiten der intensivierten Kontrolle durch die Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer, als auch die Kontrollkompetenz durch die DSO, wird von der DTG begrüßt. Auch hier ist für den Erfolg dieser Kontrollen eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung dieser Gremien entscheidend.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) e.V. ist die fachübergreifende Vertretung von über 700 Ärzten und anderen Personen, die sich in Deutschland organisatorisch, klinisch und wissenschaftlich für die Förderung der Organspende und der Transplantationsmedizin einsetzen. Die DTG ist nicht nur als wissenschaftliche Gesellschaft in der Transplantationsmedizin anerkannt, sondern hat auch beratende Funktionen in der Interaktion mit Institutionen wie der Bundesärztekammer, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Stiftung Eurotransplant übernommen. Zudem beteiligt sich die DTG an den Aufgaben der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung in der Medizin. Die DTG setzt sich für die Transparenz in der Transplantationsmedizin ein.

Für den Vorstand der Deutschen Transplantationsgesellschaft

Prof. Dr. Wolf O. Bechstein
(Präsident)
Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie Johann-Wolfgang-Goethe Universität Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
Tel.: 069-6301 5251

Prof. Dr. Björn Nashan
(President-Elect)
Klinik und Poliklinik für Hepatobiliäre Chirurgie und Viszerale Transplantation Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
20246 Hamburg
Tel.: 040-7410-56136

Prof. Dr. med. Bernhard Banas (Generalsekretär)
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II Universitätsklinikum Regensburg
93042 Regensburg
Tel.: 0941-944-7301

Prof. Dr. Hartmut Schmidt (Schriftführer)
Klinik für Transplantationsmedizin Universitätsklinikum Münster Domagkstr. 3A
48149 Münster
Tel.: 0251-8357-770

Dr. Helmut P. Arbogast (Schatzmeister)
Chirurgische Klinik und Poliklinik Klinikum Großhadern Marchioninistr. 15

81336 München Tel.: 089-7095-2600

DTG-Geschäftsstelle:
Frau Marion Schlauderer Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
Tel.: 0941 - 944 7324
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